Wann zahlt der Arbeitgeber für die Arbeitsplatzbrille?


Hast DU schon einmal über eine Arbeitsplatzbrille nachgedacht? Wenn Du viel vor dem Bildschirm arbeitest, kann diese durchaus notwendig sein und sich sehr viel besser als Deine aktuelle Sehhilfe eignen. Unter Umständen kann sogar Dein Arbeitgeber die Kosten übernehmen, denn laut Arbeitsschutzgesetz ist er dazu verpflichtet - zumindest wenn bestimmte Voraussetzungen dabei erfüllt werden. Mehr dazu erfährst Du hier.

Die rechtlichen Bedingungen

Eine Brille kann ein Teil des Arbeitsschutzes sein, wenn sie ein optimales Sehen ermöglicht und Dich vor Verletzungen schützt! Solch eine Brille bekommst Du zum Beispiel kostenlos, wenn Du Schweißen musst, mit bedrohlichen Substanzen arbeitest oder auch in einem Umfeld aktiv bist, in welchem permanent Staub aufgewirbelt wird. Falls notwendig, hat diese auch Korrektionsgläser. Auch das wird finanziell übernommen. Auch Lupenbrillen fallen darunter, wenn diese bei Deiner Arbeit unerlässlich sind! Das wissen die meisten Arbeitnehmer.

Doch wusstest Du, dass auch Brillen speziell für die Arbeit vor dem Bildschirm von Deinem Arbeitgeber bezahlt werden können? Genau dann, wenn Deine reguläre Sehhilfe nicht ausreicht und Du eine Brille brauchst, die ganz speziell für die Arbeit am Bildschirm gefertigt ist. Im Arbeitsschutzgesetz wird sie somit sogar als „persönliche Schutzausrüstung“ bezahlt. Bei einer notwendigen Arbeitsbrille muss der Arbeitgeber verpflichtend zahlen. Beziehen kannst Du Dich dabei auf Paragraf 3 Abs. 3 ArbSchG.

Die Kostenübernahme kannst Du aber nicht einfach so anfordern, denn es gibt verschiedene Bedingungen, die erfüllt werden müssen. Bezeichnet wird das auch als Bildschirmarbeitsverordnung.

Vor allem muss Dein Optiker eine Notwendigkeit feststellen, also Dir schriftlich versichern, dass Du eine Bildschirmbrille brauchst. Darüber hinaus kannst Du solch eine Brille nur dann anfordern, wenn Deine Arbeit zum großen Teil vor einem Bildschirm stattfindet - ansonsten trägst Du sie ja überwiegend privat. Das ist aber gar nicht so leicht, denn hier gibt es viele Ansichten und Meinungen. Das Arbeitsgericht hat angegeben, dass dieser Fall eintrifft, wenn Du bei einem Arbeitstag von sieben Stunden zumindest 30-45 Minuten am Bildschirm sein musst. Allerdings gibt es auch eine berufsgenossenschaftliche Unfallverhütungsvorschrift VBG 104. Hier werden folgende Bedingungen an eine Bildschirmarbeit geknüpft:

- Du brauchst zur Arbeit ein Bildschirmgerät, das sich nicht anders ersetzen lässt

- Die Arbeit hierbei erfordert bestimmte Kenntnisse und Fertigkeiten

- Benutzt wird dieser Bildschirm von Dir täglich - mehrmals und immer wieder ohne Unterbrechungen

- Bei dieser Arbeit bist Du hoch konzentriert, damit Du Fehler vermeiden kannst, welche sonst Konsequenzen mit sich ziehen.

Wann brauchst Du so eine Arbeitsplatzbrille denn?

Bevor Du nachforschst, ob Dein Arbeitgeber denn die Brille zahlt, solltest Du Dich fragen, ob Du sie denn eigentlich brauchst. Kurz gesagt, trifft das ein, wenn Deine bisherige Sehbrille nicht ausreicht. Denn solche Beschwerden können sich zu Krankheiten weiterentwickeln und sehr bedrohlich werden.

Wusstest Du, dass ein ständiger Monitor die Augen schnell belastet? Wenn Du erschöpfte Augen hast, senkt das Deine Leistung und auch im Anschluss bist Du eher ausgelaugt. Dann folgt auch oft eine Migräne, zusammen mit brennenden oder gar tränenden Augen. Es kommt auch oft zu einem Office-Eye-Syndrom, bei welchem Deine Augen dann chronisch trocken sind. 

Es geht aber noch weiter. Viele Menschen, die den Monitor nicht ganz lesen können, nehmen unbewusst eine unnatürliche Haltung ein. Das verstärkt aber die Augenbeschwerden und ist schlecht für den Körper! In den meisten Fällen liegt das an einer Altersweitsichtigkeit, die bei den meisten Menschen im Alter von etwa 40 Jahren eintrifft. Diese Sehdistanz wird oft überwunden, indem sich ein Betroffener nach vorne lehnt und den Kopf beugt. Das führt zu Verspannungen, Rückenschmerzen, Schäden in der Wirbelsäule und chronischen Kopfschmerzen.

Am besten ist es, wenn Du einmal Dein eigenes Leseverhalten beobachtest. So kannst Du feststellen, ob Du selbst eine Sehhilfe oder gar eine Arbeitsplatzbrille brauchst. Es gibt aber weitere Gründe für solche Symptome — zum Beispiel eine falsche Arbeitsplatzgestaltung. Darunter fallen kleine Schriften, flimmernde Bilder, schlechte Auflösungen, falsche Monitore oder störende Lichter. Du solltest also nicht zu schnell zur Diagnose greifen und auch immer mit Deinem Optiker reden.

Wie kannst Du eine solche Arbeitsplatzbrille beantragen?

Du willst also, dass Dein Arbeitgeber die Kosten übernimmt? Zunächst musst Du mit Deinem Augenarzt einen Termin vereinbaren. Am besten, Du suchst Deinen Betriebsarzt auf (falls es einen in Deinem Betrieb gibt). Der kann einen Augenarzt empfehlen und wird alle Schritte abstimmen. Der Augenarzt wird Dir bei Bedarf ein Rezept mit Vermerk ausstellen, welches Du verwendest, um bei Deinem Arbeitgeber eine Bildschirmarbeitsplatzbrille zu beantragen. Am besten holst Du Dir die Kostenvorschläge von Optikern ein und Du solltest diese unbedingt mit Deinem Vorgesetzten absprechen!

Die meisten Bildschirmbrillen sind für Sehdistanzen von 50 cm oder gar mehr konzipiert, können aber auch mehrere Distanzen in einem erfassen. Vor allem Altersweitsichtige brauchen eine solche Brille und normale Lesebrillen reichen nicht aus, weil sie nur einen einzigen, vorher festgelegten Abstand, in der Regel ca. 40 cm, abdecken.

Oft zahlen Arbeitgeber übrigens sogar Brillen mit Einstärkengläsern, wenn nicht ohnehin schon privat vorhanden. Doch das wird alles der Optiker empfehlen — die Brillenart, aber vielleicht sogar andere Dinge wie Glasveredelungen. Es kann sein, dass er andere Brillen empfiehlt: Zum Beispiel spezielle Gleitsichtbrillen für den, die Deine Sicht auf mehreren Distanzen korrigieren. Auch das kann in Deinem Fall durchaus eine optimale Lösung sein.

Und welchen Teil der Kosten übernimmt der Arbeitgeber?

Eigentlich ist er zu einer Vollfinanzierung verpflichtet, wenn die oben genannten Kriterien eintreffen. Allerdings schließt das sogar Vorsorge- und Nachuntersuchungen durch den Augenarzt ein! Wenn es also Vereinbarungen gibt, die nur Pauschalsätze vorschlagen und den Beschäftigten zwingen, die Kosten zum Teil selbst zu tragen, sind diese arbeitsrechtlich nicht zulässig. Ein Kostenlimit gibt es dennoch und Du solltest ans Sparen denken.

Der Arbeitgeber wird Dir nur erforderliche Kosten zahlen. Der durchschnittlich niedrigste Marktpreis darf nicht überschritten werden. Pauschal lässt sich das nicht eingrenzen, denn er kann zwischen 200 und 1000 Euro liegen. Erstatten kann Dir Dein Arbeitgeber zudem nur Brillentypen, die auf dem Rezept vermerkt werden. Hast Du Sonderwünsche, die Mehrkosten bedeuten -zum Beispiel Glasveredelungen - werden die nicht übernommen. Es werden nur Einfachentspiegelungen gedeckt. Auch getönte oder phototrope Gläser kannst Du Dir nur dann erstatten lassen, wenn diese nachweislich aus medizinischer Sicht gebraucht werden. Der Augenarzt muss auch dies bescheinigen. 

Auch Gläser aus Kunststoff bekommst DU in der Regel nur ab Dioptrienwerten von +/-6. Im Gestell gibt es ebenso Unterschiede, die die Kostenübernahme beeinflussen und eingrenzen. Du hast also kein Recht auf eine selbst ausgesuchte Designerfassung, kannst Extras aber aus eigener Tasche bezahlen. Du kannst beispielsweise Spezialgläser in ein privat gezahltes Gestell einsetzen lassen.

Übrigens: Eine durch den Arbeitgeber bezahlte Bildschirmbrille wird als dessen Eigentum angesehen und deshalb ist sie auch ausschließlich für den Arbeitsplatz vorgesehen. Nur, wenn er dem zustimmt, darfst Du sie privat nutzen. Wenn sie im privaten Gebrauch Schaden nimmt, musst Du die Kosten für den Ersatz auch selbst tragen.


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